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Das Usenet - die Geschichte Wie alles anfing Die Abteilung ARPA (Advanced Research Projects Agency) des amerikanischen Verteidigungsministeriums (Department of Defense, DoD) untersuchte im Jahre 1960, auf welche Weise man Computer unterschiedlicher Hersteller über Weitverkehrsnetze (WANs = Wide Area Networks) miteinander verbinden könnte, und welchen Nutzen das wohl hätte. Insbesondere dachte man an die geschickte und effiziente Nutzung vorhandener Rechenleistung durch gemeinsame Benutzung von Ressourcen an unterschiedlichen Orten und, was für das Militär eminent wichtig war, das Erzeugen von Redundanz und damit Ausfallsicherheit durch verteilte Systeme. Im Falle einer zerstörten Rechenzentrale würden die übrigen weiterfunktionieren und Daten miteinander austauschen. AT&T spendierte die Telefonleitungen, die Firma BBN (Bolt, Beranek and Newman) wurde ausgewählt, das Netz aufzubauen, und das ganze Experiment wurde ARPAnet getauft. Das ARPAnet wurde schnell zum Erfolg und verband bald über 50 Knotenpunkte in ganz Amerika miteinander. In den folgenden Jahren breitete sich das ARPAnet nach Europa aus. Es zeigte deutlich, dass eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen über große Entfernungen möglich und praktikabel war, und legte so den Grundstein für die heutigen Weitverkehrsnetze. Der auf Anhieb meistgenutzte Dienst im ARPAnet war das Verschicken elektronischer Botschaften (E-Mails), mit denen alle Beteiligten schnell und zuverlässig erreichbar waren. So konnten Wissenschaftler und Forscher zusammen an gemeinsamen Projekten arbeiten, obwohl sie Tausende von Kilometern entfernt lebten und sich möglicherweise noch nie begegnet waren. E-Mail bewegte sich relativ schnell durchs Netz und konnte archiviert und ausgedruckt werden. Man zog sie den Telefongesprächen und der Briefform sehr bald vor. Um über die Versendung von E-Mails an einen Empfänger hinaus über Projekte und relevante Themen diskutieren zu können, wurden Mailinglisten eingeführt, die an den Verteiler gerichtete Nachrichten an alle eingetragenen Empfänger, weiterleiteten. Ein einfaches, aber effizientes Diskussionsmedium war geboren.
Das Usenet Das ARPAnet war ein höchst erfolgreiches und bekanntes Projekt. Es war freilich nur einer geschlossenen Benutzergruppe zugänglich: Um daran teilzunehmen, musste man an einem Projekt des Verteidigungsministeriums mitarbeiten. Das schloss viele Interessierte aus. Drei Studenten, TomTruscott und Jim Ellis von der Duke University (Durham, North Carolina) und Steve Bellowin von der University of North Carolina at Chapel Hill (UNC) waren vom ARPAnet ausgeschlossen, da ihre jeweiligen Abteilungen kein solches Projekt bearbeiteten, und ein bisschen unglücklich darüber. Sie wollten an dieser Art der Netzkommunikation teilhaben. Es musste ja nicht gleich das ARPAnet sein, Hauptsache man konnte sich auf elektronischem Wege austauschen und miteinander kommunizieren und diskutieren. Und so entwickelten sie einen Weg, das seit kurzer Zeit mit jedem UNIX-System mitgelieferte UUCP 4 -Softwarepaket zur Verteilung von Diskussionsbeiträgen von einem zum anderen Computer zu nutzen. UUCP ermöglicht den Transport von Datenpaketen zwischen Rechnern (z. B. mit Hilfe von Modems über Telefonleitungen) sowie das Ausführen von Programmen auf derart angeschlossenen Computern. Sie bastelten sich also die passende Software mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, um den Bezug von Diskussionsgruppen zu ermöglichen und das UUCP-Programm korrekt zu starten. Diese Software wurde dann auf den Maschinen an der Duke University und der UNC installiert, die fortan fleißig Beiträge miteinander austauschten. Das Konzept war so überzeugend, dass sich bald sogar die Erfinder und Hersteller von Unix, die Bell Laboratories, für dieses "poor man's ARPAnet" interessierten und teilnehmen wollten. Sie wurden ohne große Formalitäten angeschlossen.
Die Verbindung zum ARPAnet Auf der USENIX-Konferenz im Winter 1979 präsentierten die Studenten ihr Netz und der Name "Usenet" entstand. Nach ihrem Vortrag verteilten sie Handzettel zur Netzidee und Anmeldeformulare für den Anschluss an das System der Duke University. Mit Erfolg. Im Jahr 1980 schlossen sich über zehn weitere Institutionen an. Insbesondere die University of California at Berkeley (UCB), die auch am ARPAnet partizipierte. So war sehr schnell die Idee geboren, die beiden Netze miteinander zu "verheiraten", damit sich auch die Usenet-Teilnehmer an den Diskussionen auf den ARPAnet-Listen beteiligen konnten (und umgekehrt). Das war insbesondere in Hinblick auf die Entwicklung von UNIX wichtig, für das es damals noch keinen offiziellen Support von AT&T gab, so dass Fehlermeldungen und -korrekturen einen großen Teil der Diskussionen auf den Mailinglisten des ARPAnet und im Usenet stellten. Eine Verquickung des vorhandenen Know-how auf beiden Seiten konnte allen Beteiligten nur nützen. In der Folge wuchs das Usenet rapide. Im Mai 1981 wurde die erste außeramerikanische Institution angeschlossen, die zoologische Abteilung der University of Toronto (Kanada), kurz darauf auch Sites in Europa und Australien (die erste sowjetische Usenet-Site wurde aber erst 1990 in Moskau in Betrieb genommen). Die Leitungen wurden in hohem Maße durch die interessierten Telefongesellschaften, insbesondere AT&T gesponsert. Auch DEC gab nach Schätzungen bis zu 250.000 Dollar im Jahr für den Transport von Usenet-Daten zu Standorten in aller Welt aus.
The Great Renaming Zu Beginn teilte man die Diskussionsforen in drei Namensbereiche ein, "net" (die Usenet-Gruppen), "fa" (from ARPAnet) und "mod" (moderierte Newsgroups). Als 1986 klar war, dass das Usenet einem beständigen Wachstum unterliegen würde und mit ihm auch die Anzahl der Newsgruppen, suchte man einen Weg, das über sechs Jahre gewachsene Chaos durch eine sinnvolle thematische Aufteilung in verschiedene Bereiche zu ersetzen. Es wurde lange und heftig diskutiert und erbittert gestritten bis schließlich die heute existierenden Bereiche, die Top-Level-Hierarchien, begründet wurden, wie sie auf der Seite "Hierarchie" beschrieben werden. Außerdem wurde festgelegt, auf welche Art und Weise neue Newsgroups angelegt und gelöscht werden durften. Bis dato war eine Newsgroup immer automatisch dann entstanden, wenn irgendjemand einen Beitrag an eine Gruppe schickte, die es bisher noch nicht gab. So entstanden neue Newsgroups häufig durch Tippfehler :-). Der neue Anlegeprozess sah ein demokratisches Vorgehen mit einer abschließenden Abstimmung vor. Soviel als grober Abriss über die Entstehungsgeschichte des Usenet. Mehr findet sich selbstverständlich auf diversen Servern im Internet.
Das Prinzip des Usenet Das Usenet - ein offenes Ohr für jedermann Das Usenet (oder die News) bietet demjenigen, der daran partizipieren will, ein geeignetes Medium, mit anderen ebenfalls am Austausch interessierten Teilnehmern auf elektronisch-schriftlichem Weg zu diskutieren. Hier finden sich Diskussionsmöglichkeiten, angefangen von computerspezifischen Fragen über natur- und geisteswissenschaftliche Themen, politische und soziale Inhalte bis hin zu Freizeitbeschäftigungen im weitesten Sinne. Außerdem existieren Diskussionen über administrative Belange von Usenet und Internet sowie spezielle Teile für Neulinge und vieles mehr. Ganz gleich, welches Thema man im Sinn hat, in den News findet man eigentlich immer die passende Ecke dafür (und wenn es diese Ecke doch noch nicht gibt, so kann sie, wenn genügend Gleichgesinnte sie vermissen, geschaffen werden).
Wer nimmt teil? Die News entstanden in Zeiten, als Online-Verbindungen eher die Ausnahme denn die Regel waren. In Netzverbünden, die ohne ständige Verbindung auskommen, wie Mailboxnetzen, UUCP-Netzen u.a., sind News sehr weit verbreitet. Seit langem schon wird auch das Internet als Transportmedium für News benutzt, und inzwischen ist die Newsversorgung zum fast selbstverständlichen Dienst jedes Internetproviders geworden. Fast alle Provider bieten einen Newsserver an. So kann (theoretisch) jeder, der über einen Zugang zu einem Mailboxnetz, zum Internet oder zu einem anderen Computernetz hat, an den News teilnehmen. Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, dass Usenet und Internet mitnichten identisch sind. Das eine (Internet) ist eines der möglichen Transportmedien für das andere (Usenet). Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Gegenden der Welt, insbesondere im Bereich der internationalen Newsgruppen (Big Eight), gehören verschiedensten sozialen Schichten an und haben beileibe nicht die gleiche Bildung erfahren. All diese Menschen kommunizieren miteinander über Themen, die sie bewegen, Hobbies, technische Fragestellungen, das Usenet an sich, das Internet, Freizeitgestaltung und vieles mehr. Das Ergebnis ist eine Vielfalt an Gesprächsthemen und Kommunikationsstilen, die einzigartig in der Welt sind.
Der "Geist" des Usenet Menschen, nicht Computer Das Usenet ist kein Verbund von Computern, es ist eine sehr große Gruppe von Menschen, die vor allem eines im Sinn haben: Miteinander kommunizieren, andere kennen lernen und mit ihnen diskutieren. So hat sich eine ganz eigene Kultur entwickelt und ein bestimmter "Geist" ist entstanden.
Geben und Nehmen Das Usenet beruht auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens. Es wird nicht gern gesehen, wenn jemand immer nur Fragen stellt. Die Usenetgemeinde erwartet, dass ein Fragesteller aus den Antworten lernt und irgendwann selbst einmal Fragen beantwortet. Einige Firmen, insbesondere solche, die schon lange in Usenet und Internet vertreten sind, oder selbst an deren Entwicklung beteiligt waren, machen das gelungen vor. Ihre Mitarbeiter verfügen über viel Know-how und eine Menge Spaß am Usenet, sie lesen und schreiben häufig schon seit vielen Jahren in den News. Sie beantworten gern und kompetent auftretende Fragen zu den Produkten ihrer Firma (natürlich), technischen Belangen aus dem Umfeld oder auch zu Grundlagen. Meist erkennt man erst bei genauerer Betrachtung ihrer Absenderadresse, für wen sie arbeiten. Eine bessere Werbung für ihre Firma könnten sie im Netz gar nicht betreiben (mal abgesehen davon, dass viele Teilnehmer explizite Werbebotschaften übel nehmen würden).
Die vorhandenen Ressourcen nicht verschwenden Es ist wichtig, dass die Benutzer das Usenet und seine Transportwege ressourcenschonend benutzen: Artikel sollten klein gehalten werden, das überflüssige Versenden von Dateien wird nicht gern gesehen. Man achtet darauf, dass die Transportwege so wenig wie möglich belastet werden, um die Kanäle für den Datentransport freizuhalten. Schließlich sind die Leitungskapazitäten von Internet und anderen Usenet-Transportwegen sehr begrenzt und ohnehin schon sehr ausgelastet.
Der Umgang miteinander Ein weiterer Punkt, der auch in der Netiquette Erwähnung findet, ist der Umgang miteinander. Die Usenetuser sind locker und ungezwungen, aber freundlich. Ein positives Aufeinanderzugehen ist der beste Start für ergiebige Kommunikation. Die scheinbare Anonymität des Netzes sorgt oft für unvorsichtige oder nicht sorgfältig durchdachte Formulierungen, die andere leicht verletzen können. Der beste Ratschlag ist hier wohl, einerseits die eigenen Formulierungen zu prüfen und andererseits nichts, was man liest, so ernst zu nehmen, wie es vielleicht gar nicht gemeint war, denn eines fehlt dem Usenet: Im normalen Gespräch wird das Gesagte durch nonverbale Kommunikation unterstützt oder modifiziert, was im Netz natürlich nicht möglich ist.
Wir fassen zusammen: Zur Philosophie des Usenet gehören Kommunikationsfreudigkeit und ein bewusster Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. In der Gemeinschaft ist es wichtig mehr oder zumindest genauso viel zu geben, wie man von ihr bekommt, wozu auch gehört, sich sehr oft bewusst zurückzuhalten.
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